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Aus der Geschichte der Neumarkter Sozialdemokraten


Franz Plank sen.

Aus diesem Anlass wurde damals der nachfolgende Rückblick veröffentlicht.

Die Anfänge der sozial-demokratisch/sozialistischen Arbeiterbewegung in der westlichen Oberpfalz reicht weit zurück.
Im Jahr 1872 kam es beim Bau der Eisenbahnstrecke Regensburg - Neumarkt bei Deining wegen Lohndrückerei zu spontanen Arbeiterunruhen, die erst durch Soldaten der Neumarkter Garnision niedergeschlagen wurden. Trotzdem hielt man den folgenden Jahren danach gezielt sozialdemokratische und gewerkschaftliche Versammlungen ab.
Trotz Sozialistengesetze (1878 - 1890) sprach der Nürnberger SPD-Reichstagsabgeordnete Karl Grillenberger am 1. August 1885 in Neumarkt auf einer "massenhaft" besuchten Arbeiterversammlung.

Überhaupt ist die Nähe der Industriestadt Nürnberg als glücklicher Umstand anzusehen, wurde doch dort das "Banner der Sozialdemokratie" vorangetragen.
Bei einer von 30 Personen "meistens Sozialdemokraten" besuchten Metallarbeiterversammlung am 21. Februar 1897, wird in Neumarkt eine Zahlstelle des Metallarbeiterverbandes, dem Vorläufer der heutigen IG Metall, gegründet, deren Bevollmächtigter das Neumarkter SPD-Mitglied Michael Lang war. Im November 1897 findet eine, von dem Schlossern der dortigen Velocipedfabrik, Josef Mayer, einberufene Versammlung statt, in welcher Karl Enßner aus Nürnberg über die Arbeiterfrage spricht. Die erste Maifeier wird 1898 mit dem Festredner Enßner durchgeführt. "Die von ca. 35 Sozialdemokraten und 15 anderen Personen besuchte Versammlung verlief ruhig." So berichtete die Regierung der Oberpfalz am 9. Mai 1898.
1896 streikten die in der Express-Fahrradfabrik beschäftigten Schleifer und Polierer.
Im April 1900 legten 30 Former und Gießer "Fachgenossen", der Eisengießerei Kannstein, von denen 25 sozialdemokratisch organisiert waren, aus Solidarität mit Nürnberg die Arbeit nieder. Dieser Streik endete nach 13 Wochen mit einem vollständigen Misserfolg. "Dank" schwarzer Listen erhielten viele Streikende keine Arbeit mehr. Anlass der Streiks in den Neumarkter Metallbetrieben waren die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen:
1896 betrug der durchschnittliche Tageslohn (bei einer zehnstündigen Arbeitszeit) 2,35 Mark, die Arbeiterwohnungen waren sehr klein, übervölkert und teuer. Sie hatten ungetünchte, rußige Wände, es wurden keinerlei Reparaturen oder gründliche Reinigung vorgenommen.
Eine Folge war, dass im Bereich des Bezirksamtes Neumarkt um die Jahrhundertwende ungewöhnlich viele Menschen an Lungentuberkulose starben.
Um Elend, Not und Krankheit zu vergessen flüchteten viele zum Alkohol. Der Bierverbrauch in Neumarkt stieg auf die abnorme Höhe von 518 Litern pro Kopf und Jahr.
In der Phase eines Aufwärtstrends der Arbeiterbewegung, innerhalb des Gaus Nordbayern, konnte im Jahr 1904 endlich der SPD-Ortsverein Neumarkt gegründet werden, zu dessen "Taufpaten" Franz Plank sen., Peter Dimer, Philipp Großmann, Peter Müller, Karl Friedel, von Heckei, Schneidermeister Loose und andere zu rechnen sind.

Die Gründung des Ortsvereins soll im gleichen Zimmer des Gasthauses "Zum Schwan" stattgefunden haben, in dem schon August Bebel im März 1860 auf seinem Weg nach Frankfurt übernachtet haben soll.
Wie überall wurde auch den Neumarkter SPD-Mitgliedern ständig "auf die Finger gesehen". Der Geist Bismarcks lebte noch, auch hatten es die politisierenden Zentrumskleriker verstanden durch "Saalabtreibereien", Versammlungssprengungen und wirtschaftlichen Druck auf potentielle SPD-Sympathisanten, die Ausbreitung der Ideen der Sozialdemokratie zu behindern.
In der zeitgenössischen SPD-Presse vor dem 1. Weltkrieg wurden "Skrupellosigkeit und Autoritätsmissbrauch" , die zahlreiche Geistliche gegenüber der SPD an den Tag legten, nachhaltig angeprangert.

Sehr bald erkannte man in Neumarkt, dass Franz Plank sen. der Mann ist, der für die nächsten Jahre, ja sogar Jahrzehnte, die SPD führen könnte. Er errang schnell das Vertrauen der Arbeiterschaft, die ihm zunächst das Bürgerrecht erkaufen musste, um ihn im Jahre 1909 ins Gemeindekollegium (Stadtrat) wählen zu können. Die erfolgreiche Wahl war der erste große Sieg der Neumarkter Sozialdemokraten.

Auf einer am 14. Juli 1912, in den Tuchersälen in Neumarkt stattgefundenen Jahreskonferenz beklagten Diskussionsredner die Zentrums-Wahlmanipulationen (Stimmzettel-Diebstahl) und Einschüchterungen. Die Partei hatte dadurch nur eine verhaltene Entwicklung genommen, obwohl 22 Versammlungen abgehalten und über 67 000 Flugblätter verteilt worden waren.
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges gelang es den herrschenden Militärkreisen mühelos die sozialdemokratischen Organisationsstrukturen zu zerschlagen. Bereits im September 1914 standen 1/4 der Neumarkter SPD Mitglieder "im Feld".
Im Mai 1915 wurden nur noch 11 Mitglieder gegenüber 105 vor dem Kriegsausbruch, gezählt.
Die als "vaterlandslosen Gesellen" diffamierten (wem kommt dies nicht bekannt vor!?) SPD Mitglieder wurden überproportional zur Verteidigung "ihres Vaterlandes" herangezogen.
Den Willen zur Einheit der SPD betonten auch die von Frauen gut besuchten Versammlungen im Herbst 1917. Dabei ließen sich spontan 22 Gewerkschaftler demonstrativ in die SPD Neumarkt aufnehmen.

Franz Plank sen.

Der gelernte Radspanner kam Anfang dieses Jahrhunderts von Nürnberg nach Neumarkt und organisierte die Gründung des Ortsvereins.

1908 wurde Franz Plank sen. Mitglied des Gemeindekollegiums. dem Vorgänger des heutigen Stadtrates.

1915 rief man ihn zu den Waffen. 1917 kam er in französische Gefangenschaft, nachdem er als "Landwehrmann" alle Schlachten im Westen von den Vogesen bis Flandern mitmachen musste.

1919 wurde er in Abwesenheit in den Stadtrat gewählt und nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft zog er 1920 dort wieder ein.

In der unruhigen Zeit der Weimarer Republik führte Franz Plank die Partei in Neumarkt.

Zermürbt von den unqualifizierten Angriffen von links und rechts und gesundheitlich angeschlagen legt der 2. Vorsitzende der Allgemeinen Ortskrankenkasse im Februar 1930 seine Ämter nieder.

Ein halbes Jahr später stirbt Franz Plank sen.

Sein Sohn Franz ist gerade sechs Jahre alt.